Wildbirnen für artenreichen Mischwald

Zwei Förster zeigen auf WildbirnenzweigZoombild vorhanden

Förster Thomas Bauer und Tobias Schropp.

Jetzt ist sie da – die Blüte der Obstbäume, die bei uns Menschen Frühlingstimmung aufkommen lässt und Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Insekten mit Pollen und Nektar versorgt. Nicht nur in Gärten und auf Streuobstwiesen entfaltet sie sich: in lichten Wäldern, an Waldrändern, in Hecken und auf Magerrasen wachsen mancherorts Wildobst-Arten, die ebenso zu unseren heimischen Wäldern gehören wie Buche, Eiche, Ahorn und Co. Typisch für den Oberpfälzer Jura ist die Wildbirne.

Ihr haben die Fachstellen Waldnaturschutz Niederbayern und Oberpfalz und das Amt für Waldgenetik ein Projekt zur Nachzucht genetisch möglichst reiner Wildbirnen gewidmet. Ziel des Projektes ist, die genetische Vielfalt der Art „Wildbirne“ zu sichern und die Nachzucht von Pflanzgut einer Baumart zu verbessern, die mit dem Klimawandel voraussichtlich gut zurechtkommen wird. Zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regensburg-Schwandorf an zwei ausgewählten Standorten im Landkreis Regensburg Bäume genetisch analysieren lassen. Die gute Nachricht: Es handelt sich um echte Wildbirnen, aus denen die nächste Wildbirnen-Generation gewonnen werden kann.

Warum die Wildbirne?

WildbirnenblüteZoombild vorhanden

Wildbirnenblüte

Mit ihren weißen Blüten, pektinreichen Früchten und ihren glänzenden Blättern bereichert die Wildbirne die Baumartenvielfalt unserer Wälder und dient vielerlei Insekten, Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung. „Außerdem zählt die sie als Wärme liebende Baumart zu den Hoffnungsträgern für gesunde, stabile Mischwälder im Klimawandel, zumal sie auch gut mit Trockenheit zurechtkommt“, so Försterin Judith Knitl von der Fachstelle Waldnaturschutz Oberpfalz.

Schwer zu unterscheiden: Wild- oder Kulturbirne

Allerdings wurden vielleicht schon seit der Jungsteinzeit, spätestens aber seit der Zeit des Römischen Reichs, Wildbirnen kultiviert und Kulturbirnensorten in Mitteleuropa eingeführt. In der Folge kreuzten sie sich mit den hier heimischen Wildbirnen und tun dies auch heute noch, vor allem, wenn sie nicht weit voneinander entfernt stehen. Außerdem können Birnbäume im Freiland auch aus Samen von Kulturbirnen entstanden sein. Deshalb ist bei wild wachsenden Birnbäumen meist nicht klar, ob es sich nun um eine echte Wildbirne, eine Mischform mit Kulturbirnen oder eine „verwilderte“ Kulturbirne handelt. Die Wildbirne hat zwar tendenziell kleine runde statt birnenförmiger Früchte, kleine rundliche Blätter und oft viele Dornen, doch optisch lassen sich die beiden Birnenarten meist nicht eindeutig unterscheiden. Und da sie schon so schwierig zu identifizieren sind, ist es für Förster und Waldbesitzer auch nicht einfach, echte Wildbirnen als Jungpflanzen zu bekommen und sie gezielt im Waldbau einzusetzen.

Genuntersuchung liefert die Antwort

Daher musste das Projekt der Fachstellen Waldnaturschutz Oberpfalz und Niederbayern zunächst geeignete Wildbirnen identifizieren. Neben einigen niederbayerischen Vorkommen hatten sie im Landkreis Regensburg in Zusammenarbeit mit dem AELF Regensburg-Schwandorf und den Grundeigentümern an zwei ausgewählten Standorten im Jahr 2023 Blattproben wild wachsender Birnbäume gewonnen und dann auf die „Kulturbirnen-Anteile“ in ihrer genetischen Ausstattung untersucht.
Das Ergebnis war sehr erfreulich: Der Anteil an Kulturbirne ist bei den beprobten Oberpfälzer Bäumen so gering, dass der Großteil das Prädikat „Wildbirne“ erhalten kann. Auch die genetische Vielfalt dieser Bäume wurde analysiert und das Ergebnis ist ebenfalls positiv: die Oberpfälzer Probebäume weisen eine hohe genetische Diversität auf. „Beide Resultate lassen auf eine gute Anpassungsfähigkeit schließen; das ist im Klimawandel wichtig, da sich mit zunehmenden Temperaturen, Trockenphasen und Witterungsextremen die Wachstumsbedingungen für die Waldbäume derzeit stark verändern“, erklärt Försterin Judith Knitl.

Steckhölzer werden zu Eltern der nächsten Wildbirnen-Generation

Mann in Forstkleidung mit einer Teleskopschere in der HandZoombild vorhanden

Schneiden von Steckhölzern

Nun haben Thomas Bauer, Tobias Schropp (Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern) und Judith Knitl (Fachstelle Waldnaturschutz Oberpfalz) von den Birnbäumen mit dem höchsten Anteil an „Wildbirnen-Genen“ Steckhölzer gewonnen. Sie berichten: „Die Steckhölzer werden in geeignetem Substrat bewurzelt und anschließend vom Amt für Waldgenetik zur Anlage von kleinen Samenplantagen verwendet; diese dienen der Gewinnung von Saatgut, um daraus Jungpflanzen für die Waldwirtschaft heranzuziehen.
Samenplantagen haben mehrere Vorteile: unter kontrollierten Bedingungen kann der hohe Anteil der ‚Wildbirnen-Gene‘ erhalten werden und das Ernten der Früchte und Samen ist deutlich einfacher als bei wild wachsenden Birnbäumen.“ Mit dem Wildbirnenprojekt gewinnt der Waldnaturschutz, der Erhalt natürlicher genetischer Vielfalt und der Waldumbau zu trockenheitsresilienten Wäldern – damit wir uns noch lange Zeit an der Blüte der Wildobstarten im Frühling freuen können.